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Ehemaliger EZB-Chef Trichet - "Es gibt noch genügend Risiken"

FONDS professionell KONGRESS 2018 -
9:00 – 10:00 Uhr: Eröffnungsvortrag Jean-Claude Trichet

Jean-Claude Trichet war von 2003-2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und ist somit der direkte Vorgänger des heutigen Präsidenten Mario Draghi.

[Bild: Jean-Claude Trichet, Eröffnung FONDS professionell KONGRESS 2018, DF Vermögensberatung]

Seit Beginn der Finanzkreise sind inzwischen über zehn Jahre vergangen. Die Zentralbanken waren (und sind) in dieser Zeit sehr stark gefordert. Mit der Insolvenz von Lehman Brothers erreichte die Krise ihren Höhepunkt.

Die Hauptgründe für die Finanzkreise waren:

  • die Komplexität der Finanzinstrumente
  • eine starke Verzahnung zwischen Finanzinstitutionen und nicht Finanzinstitutionen, die durch neue Software-Lösungen und Möglichkeiten getrieben war
  • in den 80er Jahren bis zum Jahr 2000 stieg das Vertrauen der Privatanleger in das Finanzsystem stark an. Der Glaube, makroökonomische Modelle können nicht mehr verzagen, war ein großer Fehler. Die konventionellen Instrumente haben versagt.
  • die Hypothese der finanziellen Instabilität wurde außer Acht gelassen. Globalisierung und Technologisierung haben neue Eigenschaften in der globalen Finanzwelt hervorgebracht, die wir bis heute noch nicht ganz verstanden haben.

Die Hauptgründe der unkonventionellen Geldpolitik

Die aktuelle Wirtschaftssituation und die Geldpolitik sind nicht mehr aneinander gekoppelt.

Hauptziel der unkonventionellen Geldpolitik ist, bei Erreichen der Nullzinspolitik weitere Instrumente zur Hand zu haben.

Das Hauptziel war bereits im Jahr 2007 der Kampf gegen die direkte Bedrohung des Finanzkollaps. Die Kreditvergabe sollte erleichtert werden mit dem Ziel, die Verwerfung auf den Finanzmärkten zu heilen. Im Jahr 2007 hieß das, feste Zinssätze unterhalb von 4 % in Europa, sowie von 5,25 % in den USA, sowie die Unterstützung der Banken. Man sieht, bereits vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers wurden bereits Maßnahmen ergriffen, das Finanzsystem zu schützen. Feste Zinssätze, lange Refinanzierungsmaßnahmen waren die Instrumente, bevor die 0 % Grenze erreicht wurde.

Schlussfolgerung aus dem ersten Teil der Krise

Die Maßnahmen wurden von den Zentralbanken getroffen, da Marktteilnehmer und die Volkswirtschaft möglichst wenig davon betroffen werden sollten.

Die zweite Dimension
Der Privatsektor wurde illiquide. Das Finanzsystem funktionierte weiter, aber der Geldmarkt wurde durch die geringe Kreditwürdigkeit der Banken stark beeinträchtigt. Die Märkte funktionierten nicht mehr normal. Die europäische Zentralbank musste dauerhaft präsent sein und bleiben. Die Festschreibung der festen Zinsen aus dem Jahr 2007 wurde fortgeführt. Der private Markt sollte unter allen Umständen gestützt werden, zurück zu alter Normalität. Der Rückgang der Bankreserven wurde daher positiv bewertet.

Welche Instrumente haben die Zentralbanken noch, wenn sie bereits bei der Null-Zinspolitik angekommen sind?

  • Kauf von langfristigen Staatsanleihen
  • Aufschläge für mittel- und langfristige Zinsen senken
  • Der Privatsektor soll in andere Marktsegmente investieren, die man ansonsten eher vernachlässigt hätte (z.B. Japan)

In den USA wird die Volkswirtschaft zu 75 % über die Märkte finanziert. In Europa ist das komplett umgekehrt. Hier erfolgt die Finanzierung zu 75 % über die Banken. Daher kaufte die Federal Reserve System (FED) Wertpapiere im großen Stil an. Die EZB begann damit erst viel später. Warum? In den USA lag die Refinanzierung mehr bei den Märkten, die auf keinen Fall zusammenbrechen durften.

In Europa führte selbst die Schweizer Zentralbank, die nicht für Wagemut bekannt ist, kühne Maßnahmen durch.

Allein schon wegen dieser strukturellen Unterschiede, hätte man erwarten können, dass jeder Kontinent nur für sich selbst sorgt. Doch trotz aller Unterschiede begann eine sehr enge Zusammenarbeit der Zentralbanken. Insolvenzen in der freien Marktwirtschaft sind ganz normal und sollten ausgehalten werden können. Doch 2,5 Tage nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers war die Angst und Ansteckungsgefahr so groß, dass die FED und die EZB das größte Risiko nur gemeinsam eindämmen konnten.

Die Bankenaufsicht liegt heute bei den Zentralbanken mit dem Ziel der Verhinderung von systemischen Risiken, sowie der Überwachung der finanziellen Stabilität. Zudem haben die Zentralbanken die Aufsichtsfunktion der makroökonomischen Überwachung übernommen.

Beobachtungen Trichets

Positiv ist die Kapazität der Zentralbanken zu sehen. Durch das schnelle, kühne Vorgehen konnte eine Depression vermieden werden.

Herr Trichet ruft aber auch zu großer Wachsamkeit auf. Das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist stark gewachsen. Die Verschuldung ist aber ebenso stark angestiegen. Hier ist große Vorsicht geboten, denn dies war einer der Hauptgründe der vergangenen Krise. Gründe für die globale Verschuldung sind bei den Emerging Markets zu finden. Diese tragen aktuell mit ca. 50% zur Verschuldung bei. Daher haben wir heute eine Schuldenverteilung von ca. 50% Emerging Markets zu 50% der Industrieländer. Im Vergleich dazu lag die Verteilung vor der Krise zu ca. 90% bei den Industrieländern gegenüber 10% der Emerging Markets.

Durch das globale Zusammenwachsen der Wirtschaft, wird sich auch eine neue Krise global auswirken. Mit den Erfahrungen der vergangenen Krise ist dies sehr alarmierend. Der Aufruf aller Zentralbanken weltweit an die Regierungen lautet: tut etwas! Ziel ist die Vollbeschäftigung, zu der alle ihren Beitrag zu leisten haben. Ebenso Strukturreformen sowie eine vernünftige, makroökonomische Politik, die aber noch nicht umgesetzt wurde. Hier muss man auf jeden Fall noch aktiver werden.

Selbstgefälligkeit ist nach wie vor fehl am Platz, denn es gibt noch genügend Risiken.

Eine strenge Haushalts-Disziplin der einzelnen Länder ist nötig. Denn der Spielraum der Zentralbanken ist inzwischen stark eingeschränkt.
Die Entwicklung neuer Technologien wird explosionsartig weitergehen, was gut ist, auch wenn man nicht alles versteht. Hier ist jedoch große Vorsicht vor Selbstgefälligkeit geboten.

Die Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden wieder angehoben, aber nur weil es weltweit ein bisschen besser läuft. Man könnte denken, die Arbeit ist getan. Aber nein, das ist sie nicht.

Daher Trichets Aufruf:

Bitte beobachtet die Veränderungen genau! Die Ablehnung der Kooperationsmöglichkeiten bestimmter Länder ist ein sehr großes Problem. Das muss auf jeden Fall im Auge behalten werden.

Wir werden weiter hier und natürlich unseren Kunden direkt vom Fondskongress 2018 in Mannheim berichten!

Last modified on Donnerstag, 25 Januar 2018 10:05

Daniela Förster

Geschäftsführerin der DF Vermögensberatung

Leitung Finanzen und Baufinanzierungen

Studium BWL, Dipl. Betriebswirtin (FH)

Experte für finanziellen Erfolg

DF Finanzbüro:

DF Vermögensberatung GmbH
Hafengasse 14
89073 Ulm
Tel: 0731.80 21 780
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